Mentale Systemik

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Die mentale Systemik ist die Kunst, sich selbst zu betrachten. Methodische Haltung, Arbeitsinstrument & Prozess zugleich.

Darstellung der mentalen Systemik
Sie entstand in der Arbeit mit anderen Menschen, dem fachlichen Kollegenaustausch und anhand von Beobachtung der häufigsten Schwierigkeiten bestimmter methodischer Herangehensweisen oder Denkhaltungen.

Bausteine der mentalen Systemik

Die folgenden Bausteine bilden das Gerüst. Zum besseren Verständnis sind jeder Säule Beispiele beigefügt.

In der Regel durchdringen sich diese Säulen gegenseitig in einem steten Veränderungsprozess.

Ethnische Herkunft & Geschichte

Die Werte und Bestrebungen eines Individuums wurzeln meist in der eigenen Geschichte. Sie muss insbesondere bei problematischen Erfahrungen, nicht zwingend im alltäglichen Bewusstsein präsent bleiben. Jahrelanges darin Wühlen und Aufarbeiten hat unseren Beobachtungen zufolge selten zu für den Alltag nützlichen Ergebnissen inform von Bewältigungsstrategien geführt.

Aber Beratervorgaben á la „vergiss das doch jetzt mal“ oder „Dein Vater war vor Dir da. Du musst ihm jetzt dafür danken“ und auch „Heil Deine Wunden, dann wirst Du gesund“, sind äußerst problematisch.

Selbstverständlich kann es sehr zielführend sein, mit methodischen Hilfsmitteln neue Perspektiven zu ermöglichen oder je nach Denkschule auch Abschlusszeremonien zu verwenden. Aus unserer Sicht jedoch immer unter Annahme und Akzeptanz der eigenen Geschichte. Weder also durch deren Verdrängung, noch durch Zwangsverheilung.

Grundcharakter

Ähnlich der eigenen Geschichte und ethnischen Herkunft betrachten wir den Grundcharakter für eine fixe Stärkeneinheit. Selbstverständlich im Laufe der Jahre und Erfahrungen veränderlich. Aber in seinen Urzügen doch meist stabil.

So finden wir es äußerst fatal, einen schüchternen Typus in Verkaufsschulungen oder gar Coachings auf eine Haltung des „alles Übungs- und Einstellungssache“ zu trimmen (wobei zu betonen ist, dass Coaching & Trimmen zwei an sich nicht kompatible Vorgehensweisen darstellen! Leider in der Realität aber oftmals genauso gelebt).

Ähnlich schwierig und nicht personengerecht halten wir Standardtipps von der Beraterstange (bspw. in Erziehungskontexten die Auffassung, dass temperamentvolle Eltern psychisch nicht in Ordnung seien und doch bitte ihre eigenen Baustellen bearbeiten sollen, um entspannter zu ihren Kindern zu sein). Wo so etwas vorkommt, werden Nutella und Senf mit Luftballons in eine Tüte geworfen. Vieles lässt sich trainieren. Sicherlich auch einmal mehr und einmal weniger entspannt sein. Psychische oder körperliche Gewalt ausgeklammert, weil es in solchen Fällen tatsächlicher Hilfe von außen bedarf, sind wir der Meinung, dass sich sowohl die Grundzüge eines Menschen in seinem Verhalten zeigen, jedoch viele weitere Faktoren mit hinein spielen. Komplexe systemische Zusammenhänge seines aktuellen Umfeldes, Lebenskontextes, finanziellen Niveaus, Tagesereignisse, die Ernährung, sonstiger Gesundheitsstatus und vieles mehr zeigen sich im Verhalten und Selbstempfinden eines Menschen. Daher sollte der Grundcharakter zwar als wichtige Säule beachtet und respektiert, jedoch niemals isoliert betrachtet werden.

So wird im umgekehrten Fall, jemand mit ruhiger Grundtendenz zwar möglicherweise vor Schreck vom Stuhl fallen, wenn ein temperamentvoller (manchen nennen es cholerischer) Charakter loslegt. Aber es ist doch keiner der Beiden „richtiger“. Was wir hierzulande als richtig bewerten, fußt auf unserer Auffassung korrekten Verhaltens in der Gesellschaft. Aber ist es das auch? Wer legt unseren Bewertungsmaßstab fest?

Erfolgreiche Arbeit mit anderen Menschen sollte unsers Erachtens auf Wertschätzung beruhen. Und dazu gehört es, ihn zu nehmen wie er ist. Ein Apfel schält sich nun mal anders als eine Kartoffel!

Daher vermeiden wir mentale Systemcoachs Empfehlungen wie „Schnaufe nächstes Mal durch. Du musst nur ruhiger werden, dann wird’s schon klappen“. Kommunikative Besonderheiten und deren Fallstricke im Geiste der Perspektivenerweiterung zu zeigen, ist das Eine. Sie vorzugeben, als wäre es ein Schalter, den man nur einfach umzulegen brauche, empfinden wir für „am Menschen und seinen Bedürfnissen vorbei“.

Vollkommen anders verhält es sich, wenn das Individuum selbst und aus sich selbst heraus (!) bestimmte Verhaltensweisen verändern möchte. Hier greifen diverse Mentalmethoden und dann meist auch mit Erfolg.

Systemische Verortung

Jede Problembetrachtung, Wunschverhaltensweisen, Zieldefinitionen und dergleichen mehr, sind immer Momentbetrachtungen eines Individuums. Durchaus geprägt durch Herkunft, aktuellem Umfeld und Charakter. Aber auch weit darüber hinaus basierend auf seiner Tagesverfassung, aktueller Bewusstheit eigener Lebenszusammenhänge und Befindlichkeitszuschreibungen sowie der in dieser speziellen Situation vorrangigen Rolle, nicht zu vergessen seiner Rollen-Wunschvorstellung „wie man jetzt sein sollte“.

Würde diese Person ihre aktuelle Wahrnehmung am Abend jemand anderem erzählen, könnte sie von der Erzählung eines externen Beobachters ebenso abweichen, wie von ihrer eigenen Version einige Stunden zuvor oder gegenüber einer weiteren Person.

Ist nun eine Variante davon falsch?
Vielleicht ja. Eher aber nein. Vor allem aber ist es Aufgabe des Beraters, schon diese Einschätzung und damit Schubladeneinsortierung zu unterlassen. Wertschätzende und förderliche Begleitung liegt nicht zuletzt in der Kunst, dies in immer höherer Präzision zu vermeiden. Was nützt auch eine solche Bewertung für die nächste Sitzung, zu der alles bereits wieder ganz anders sein kann?

Anders, weil der Klient andere Feststellungen getroffen, Zusammenhänge neu sortiert und Vorlieben neu bewertet haben kann. Nicht weil er wankelmütig und unverlässlich ist nach dem Motto „Aber Sie haben doch gesagt, dass diese Entscheidung aus dem Bauch kam. Sie sollten an Ihrem Bauchgefühl arbeiten“. No go!!

Sondern weil er sich in jeder einzelnen Minute seines Lebens verändert. Und dies nicht alphanumerisch, sondern menschlich und damit nicht vorhersehbar. Auch nicht für ihn selbst.

Dies beraterseitig zu verstehen, anzuerkennen und stets auch im bewussten Hintergrundschirm zu halten, erfordert die Absicht als solche, Übung und ehrliche bewertungsfreie (ja, auch sich selbst gegenüber) Selbstreflexion.

Inneres Bestreben

Die Grundsehnsucht der Seele basiert auf einem eigenem Wertekorsett. Vermutlich aufbauend auf den kindlich gemachten Erfahrungen und den Chancen seines sozialen Status‘, entwickelt sich ein Mensch beruflich und privat in eine bestimmte Richtung. Diese kann unglücklicher oder gar krimineller Art sein oder aber auch bis hin zu Doktortiteln führen. Im Idealfall (?) wird das Wesen mit seiner Wahl glücklich. Häufig jedoch nicht.

Unabhängig der eigenen inneren, oftmals von Logik geprägten Herangehensweise zur Gestaltung des eigenen Lebens, gibt es unserer Auffassung nach bei jedem halbwegs mit Intelligenz ausgestattetem Menschen ein inneres Bestreben. Vermutlich ist permanente Entwicklung also eine Art evolutionäre Pflicht das Lebenselixier unserer DNS.

Spirituell geprägte Denker werden diesen Part einer höheren göttlichen Instanz zuordnen. Erlaubt ist auch hier was jemand glaubt.

Auf jeden Fall scheint es sehr zieldienlich, das Wahrnehmen und Respektieren dieser inneren Stimme (des Bauchgefühls, der Intuition) ins Auge zu fassen und ggfs. zu schulen. Sie weist oftmals die „richtige“ (oder aber auch für eine bestimmte Erfahrung wichtige) Richtung.

Gerade wenn allgemeingültige Erfolgsstrategien wie das Modell „SMART“ auf Dauer immer wieder scheitern, ist mit Berücksichtigung und Einbindung dieser Facette mit hoher Wahrscheinlichkeit, ein Lösungsraum oder Erkenntnisgewinn zu finden.

In diesem Bereich finden besonders häufig fatale Schlussfolgerungen statt, die nicht selten dem Klienten die Denkhaltungen und Werte des Beraters überstülpen in der Art „Sie haben es doch nicht nötig, Ihrem Kind das anzutun. Kinder gehören nach Hause. Wenn ich Sie behandelt habe, werden Sie das Gespür dafür wieder erlangen.“

Oder „Es ist wichtig, auf Ihre Stimme zu hören (Aha, auf welche davon?). Verlassen Sie den Mann, der Kinder zuliebe.“ Nicht selten umgekehrt „Denken Sie doch an Ihre armen Kinder“ (welch Unterstellung, dies nicht zu tun!).

Eigene Geisteskraft

Vieles was „nicht gegeben“ scheint oder sich bereits negativ gefestigt hat, lässt sich mit der Kraft des eigenen Geistes hervorragend optimieren/umpolen/verändern. Wichtig für den Berater ist es hier, selbst über mentale Prozesse Bescheid zu wissen, um sie vermitteln zu können. Diese Säule ist Training + Haltung zugleich und mit ihrer Kraft können andere Säulen mental in nützliche(re) Perspektiven umgestrickt werden.

Stete Reflexion

Als sich laufend selbst aktualisierende Spiegelung (mit doppeltem Verantwortungsgewicht auf Beraterseite).

Wenn mir der Prozess meiner ständigen Veränderung erst einmal vollkommen bewusst ist, kann ich viel achtsamer und selbstwirksamer darauf reagieren. Dies fördert meine eigene aktive Lebensgestaltung hin zur Erfüllung meines Seins, einen Zustand immer längerer Begeisterungsphasen :-). 

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Tanja Falge
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